Chinesen stellen den Strom ab: Schubumkehr bei Standortförderung

Ich bin seit vielen Jahren ein begeisterter Leser des Economist. Nun lese ich in der jüngsten Ausgabe eine Geschichte über China. Die Chinesen haben brutale Taktiken um  zu verhindern, dass sich in Städten zu viele Leute ansiedeln. Sie stellen ihnen einfach den Strom ab. Den Bewohnern bleibt nichts anderes als einfach wegzugehen. Wenn ich mich in der Schweiz umhöre zum Thema Standortförderung, dann stelle ich oft fest, dass es viele Gemeinden gibt, die gar keine Standortförderung wollen. Sie setzen Standortförderung als Begriff gleich mit „Entwicklung“, „Wachstum um jeden Preis“, „Ansiedlung von Firmen“ und „Erhöhung der Anzahl Einwohner“. Ist es das wirklich? Nein. Standortförderung bedeutet, richtig verstanden, das zu tun, was den Standort fördert. Und das ist je nach Ort und Situation jeweils etwas anderes. Wo Abwanderung droht muss Standortförderung Ansiedlung fördern, wo Überhitzung stattfindet, muss Standortförderung Ideen einbringen um die Lage in den Griff zu kriegen, zu beruhigen. Ein Flugzeug, das landet muss auch Schubumkehr vornehmen. Standortförderung ist somit situativ. Am einen Ort ist Wachstum gefragt, am anderen geht es um das  Bremsen, was auch aktiv angegangen werden muss. In jedem Fall muss Standortförderung für innere Vernetzung sorgen. Die passiert nicht von alleine. Und in jedem Fall muss Standortförderung letztlich in der Hand der Politik beschlossen und gemanagt werden. Der Beizug von Privatinteressen ist sicher notwendig. Sie darf aber nie Ersatz dafür sein, dass sich die Behörde aus ihrer Verantwortung davonstielt.

 

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